Veranstaltung: | 54. Landesjugendkongress |
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Tagesordnungspunkt: | TOP 11 Anträge |
Antragsteller*in: | Elias Weckwerth (KV Aschaffenburg-Miltenberg), Anna Gmeiner (KV Rosenheim), Christian Geiger (KV Regensburg), Dex Mareyen (KV Passau), Mathilda Oechslein (KV Würzburg), Arian Kunze (KV Ebersberg) (dort beschlossen am: 22.11.2024) |
Status: | Zurückgezogen |
Eingereicht: | 22.11.2024, 15:58 |
I3: US-Wahl, was jetzt? Europäische Zusammenarbeit stärken!
Antragstext
Mit dem Sieg von Donald Trump bei der US-Präsidentschaftswahl 2024 stehen wir
vor einer neuen politischen Realität, die nicht nur die Vereinigten Staaten,
sondern auch die internationale politische Landschaft beeinflusst. Neben
massiven innenpolitischen Auswirkungen auf marginalisierte Gruppen, eine
menschenfeindliche Migrationspolitik und die Einschränkung von Selbstbestimmung
durch absolut Hardliner*innen als Minister*innen, ist auf internationaler Ebene
die Zuverlässigkeit der ältesten Demokratie der Welt in Bereichen der
Sicherheits-, Klima- und Wirtschaftspolitik nicht mehr gesichert. Das bedeutet
vor allem, dass die Europäische Union und Deutschland gemeinsam in
sicherheitspolitischen Fragen agieren müssen.
Wahlergebnisse und Auswirkungen
Entgegen der Vermutung eines knappen Rennens bei der Wahl, gewann Donald Trump
die Wahl mit einem klaren Vorsprung, indem er alle Swing States für sich
entschied und mehr als fünf Millionen Stimmen Vorsprung gegenüber der Demokratin
Kamala Harris erzielen konnte. Besonders hegemoniale Männlichkeit, die Anti-
Woke-Rhetorik, Populismus, Mobilisierung durch Angst und die Inszenierung Trumps
als erfolgreicher Geschäftsmann in einer wirtschaftlich schwierigen Zeit sorgten
für dieses deutliche Wahlergebnis und verschoben den Diskurs zu Gunsten des
verurteilen Straftäters Trumps. Zudem konnten die Republikaner*innen ihre
Position im Senat und Repräsentantenhaus ausbauen, wo Trump nun mit einer
Mehrheit seine politischen Ziele ohne große Wiederstände durchsetzen kann.
Im Gegensatz zu seiner ersten Amtszeit, in der Trump unvorbereitet ins Amt trat
und mit erheblichen internen Konflikten konfrontiert war, ist er diesmal
strategisch besser aufgestellt. „Project 2025“ bietet einen detaillierten
Fahrplan für eine schnelle Übernahme der Exekutive, um seine politischen Ziele
umzusetzen. Mit einer Zentralisierung der Macht soll Trump als Präsident die
umfassende Kontrolle über alle Bundesbehörden bekommen und einen radikalen
Personalaustausch von bis zu 50.000 Bundesbeamt*innen durch loyale
Anhänger*innen durchsetzen. Das soll dazu beitragen, dass Trump seine Politik
der Zerstörung ohne demokratische Widerstände umsetzen kann. Ein ähnlicher
Entwurf für eine Executive Order zur "Säuberung" der Führungsriege des US-
Militärs von "woken" Generälen wurde ebenfalls geleaked. Die Trump-
Administrarion will so sicherstellen, dass auch das Militär den autoritären
Umbau des amerikanischen Staates vollumfänglich unterstützt.
Repressionen für marginalisierte Gruppen
Unter der Trump-Administation werden vor allem Organisationen leiden, die sich
für queere Rechte, Selbstbestimmung und gegen Antidiskriminierung einsetzen. Mit
einer geplanten Verschärfung des Abtreibungsrechts und dem Verbot der
Abtreibungspille Mifepriston wird die Selbstbestimmung von Frauen über ihren
Körper massiv eingeschränkt und Gesundheit gefährdet. Außerdem wird der
Kulturkampf nun durch staatliche Behörden in Bildungseinrichten, Krankenhäuser
und Gerichte getragen. Mit einem Insurrection Act schlägt das Projekt 2025 den
Einsatz von militärischen Kräften vor, um Aufstände zu bekämpfen und die
Durchsetzung von Gesetzen zu erreichen. Aktivist*innen werden dadurch immer
häufiger wegen ihres Engagements rechtlichen Konsequenzen und militanten Gruppen
ausgesetzt werden.
Menschenfeindliche Migrationspolitik
In seinem Wahlkampf setzte Trump immer wieder auf die Entmenschlichung von
Migrant*innen, verbreitete Lügen über illegale Migration und spielte bewusst mit
den Ängsten von einkommensschwachen Wähler*innen. Mit Stephen Miller wird nun
einer der Architekten des "Muslim Travel Bans" zum Stabschef, der die
abscheuliche Trennung von Kindern und ihren Eltern bei der Ankunft als
Migrant*innen in die USA befürwortet. Auch der designierte Direktor für
Genzschutz und Abschiebungen Tom Homan unterstützt diese brutale
Abschiebungsmaschinerie an der Grenze zu Mexiko und möchte diesen Kurs in aller
Härte fortsetzen. Die Massenabschiebungen und Fertigstellung der Mauer an der
Grenze zu Mexiko schaden nicht nur der amerikanischen Wirtschaft massiv, sondern
gefährden vor allem das Leben von Millionen Menschen durch Unmenschlichkeit und
werden von anderen rechtsextremen Staatsoberhäuptern abgekupfert.
Erstarken von Nationalismus & Extremismus weltweit
Bereits in der letzten Amtszeit der Trump-Administration wurde das Erstarken
extremistischer und nationalistischer Kräfte weltweit sichtbar. Durch die
gezielte Unterstützung von rechtsextremen Netzwerken hat beispielsweise auch die
verfassungsfeindliche Partei "Alternative für Deutschland" erheblich an Einfluss
in Deutschland gewonnen. Bestärkt wurde dies auch in diesem Wahlkampf erneut
durch die Lügen, Hetze und Radikalisierung des Kandidaten Trumps und seines
Wahlkampfteams. Auch das hauseigene Soziale Medium TruthSocial sowie die
Beeinflussung durch Elon Musks Netzwerk "X" haben massiv zur Verbreitung von
Frauen- und Queerfeindlichkeit, Rassismus sowie Hetze gegen demokratische
Politiker*innen beigetragen und sind auch in Deutschland sichtbar.
Klimapolitik
Die Bestrebungen Präsident Bidens, der historischen und aktuellen amerikanischen
Verantwortung bei der Bekämpfung der Klimakrise gerecht zu werden, erfüllten
zwar nicht annähernd internationale Übereinkommen, waren aber ein Schritt in die
richtige Richtung. Mit diesen zumindest geringfügigen Verbesserungen der
Treibhausgasreduktion wird künftig Schluss sein: Unter Trump steht ein massiver
Rückgang im Kampf gegen die Klimakrise bevor. In seinem Kabinett sind mit unter
anderem Außenminister Marco Rubio, Elon Musk und dem Öl-Konzernchef Chris Wright
als Energieminister Personen vertreten, die den Klimawandel leugnen,
Umweltauflagen aushöhlen und stattdessen von einer Rückkehr der fossilen
Energien träumen. Trump kündigte bereits den Austritt aus dem Pariser-
Klimaabkommen an und gefährdet somit auch die internationalen Anstrengungen
gegen die Klimakrise. Im Inland sollen Programme für erneuerbare Energien
abgeschafft werden, Nationaparks für Fracking freigegeben werden,
Emissionsbeschränkungen aufgehoben werden und die Nutzung fossiler Brennstoffe
wieder gefördert werden. Dies wird sich vor allem auf die Industrie auswirken
und einen massiven Rückschritt auf dem Weg zur Klimaneutralität wie bereits in
der letzten Amtszeit bedeuten.
Ukraine-Solidarität auf der Kippe
Während die Ukraine weiterhin massiv unter dem russischen Angriffskrieg leidet,
täglich zahlreiche Menschen sterben und kritische Infrastruktur attaktiert wird,
steht unter Trump die Ukraine-Solidarität massiv auf der Kippe. Matt Whittaker
soll jetzt als NATO-Botschafter bewusst die Unterstützung der Ukraine blockieren
und die Direktorin der Geheimdienste Tulsi Gabbard steht unter starken Verdacht
eine russische Marrionette zu sein. Mit dem drohenden Wegfall amerikanischer
Solidarität mit der Ukraine ist das Land, das Freiheit, Demokratie sowie seine
Souveränität und Bevölkerung gegen Putins Autoritarismus verteidigt, jetzt mehr
denn je auf die Unterstützung anderer Partner*innen angewiesen.
Die Grüne Jugend Bayern fordert:
- Kampf gegen Hass und Hetze: Wir solidarisieren uns mit aktivistischen
Gruppen beispielsweise für die Unterstützung der Ukraine, das Recht auf
Abtreibungen und queer-feministische Rechte in der USA und fordern dazu
auf, dieses Engagement nicht massiven Repressionen auszusetzen. Zudem soll
aktiv gegen Hass und Hetze in Sozialen Medien vorgegangen werden, sowie
die Betreiber*innen für extremistische und strafbare Inhalte auf ihren
Plattform bei Nichtlöschung konsequent zur Verantwortung gezogen werden.
- Umfassende Unterstützung der Ukraine als europäische Gemeinschaft: Bisher
sind die Vereinigten Staaten von Amerika die wichtigsten
Unterstützer*innen der Ukraine in ihrem Kampf gegen den Imperialismus
durch Russlands Angriffskrieg. Durch die Ankündigung Trumps den Krieg
direkt mit Beginn seiner Amtszeit zu beenden, ist die Zukunft der
Unterstützung für die Ukraine ungewiss. Daher ist es geboten, dass die
europäische Gemeinschaft die Ukraine im Kampf für westliche Werte mehr
denn je militärisch, finanziell und mit humanitären Hilfsmittel
unterstützt. Zudem muss die europäische Sicherheitsstruktur gestärkt
werden, da eine Unterstützung der USA innerhalb der NATO nicht mehr
gesichert ist.
- Verantwortung Deutschlands in der Klimaaußenpolitik: Die Trump-
Administration wird den Kampf gegen die Klimakrise innerhalb der USA und
weltweit massiv ausbremsen. Deshalb muss die deutsche Bundesregierung auf
internationaler Ebene stärker als bisher globale Akteur*innen vernetzen
und an einen gemeinsamen Tisch bringen. Dabei soll auf einen verschärften
globalen Emissionshandel und Energiepartnerschaften sowie die
Bereitstellung eines loss-and-damage-funds gesetzt werden. Durch die
massiv sinkende Attraktivität des amerikanischen Marktes für den Ausbau
erneuerbarer Energien, bietet sich für Europa und den Rest der Welt eine
große Gelegenheit für massive kostengünstigere Investitionen in diesem
Bereich. Gleichzeitig entsteht auch eine Verantwortung dieses Überangebot
abzuschöpfen, um die zugrundeliegende Industrie nicht zu verlieren. Sowohl
Industrieländern mit hohen Emissionen als auch Entwicklungsländern, die
noch fossile Schritte gehen wollen, muss die Perspektive einer
fossilfreien und dennoch prosperierenden Welt überzeugend dargelegt
werden. Nur durch gemeinsames, zügiges Vorgehen kann die Eindämmung der
zentralsten Krise des Jahrhunderts gelingen. Es liegt nun an der deutschen
Bundesregierung, diese Rolle im Verbund mit europäischen und
internationalen Partnern auszufüllen.
- Proaktive diplomatische Rolle Deutschlands: Angesichts der geopolitischen
Veränderungen und der Schwächung der amerikanischen Demokratie muss
Deutschland seinen Aufgaben als eine der größten Demokratien und
Wirtschaftsnationen in Europa und weltweit gerecht werden. Dies erfordert
eine proaktive Außenpolitik, die auf Diplomatie, aktive Partizipation in
Sicherheitsallianzen, internationale Zusammenarbeit, soziale Gerechtigkeit
und den Schutz demokratischer Werte setzt.
Begründung
Begründung der Dringlichkeit: Der Antragsschluss für eigenständige war am 7. November um 23:59 Uhr. Mit der Trump-Wahl am 6. November war daher nicht genügend Zeit für mehrere Antragssteller*innen einen vollständigen Antrag zu verfassen. Zudem wird in den Antrag auf die Kabinettbesetzung durch Trump eingegangen, die erst nach Antragsschluss bekannt geworden ist.
Begründung des Antrags: Der Sieg von Donald Trump bei der US-Präsidentschaftswahl 2024 beeinflusst massiv die internationale politische Realität. Daher stellen wir in diesem Antrag Forderungen auf, um darauf zu reagieren und europäische Zusammenarbeit zu stärken.